Wie unsere Gedanken unsere Realität erschaffen
Geschrieben von: Thomas   
Dienstag, 03. Mai 2011 um 11:49 Uhr

Traumfrau – oder wie unsere auf der Erde erworbenen Gedankenmuster unsere Realität erschaffen

von Thomas

Quelle:ella.org   

Hallo,

Beziehung, Liebe, Verbundenheit, Partnerschaft und Gefühle leben sind Themen, die mich seit einiger Zeit nicht mehr loslassen und die immer mehr Bestandteil meiner Beratungen werden.

Könnte es etwa damit zu tun haben, dass genau dies die Fragestellungen meines bisherigen Lebens sind?

Hierzu erzähle ich die Geschichte, wie ich lieblos durch das Leben schlenderte bis zu einem entscheidenden Umbruch, der alles änderte:
 

Thomas ein kleiner 4 jähriger Junge saß mal wieder in der Badewanne. Er liebte es, hier immer mehr in eine andere Welt abzutauchen. Das warme, dampfende Wasser roch irgendwie schwer und beruhigte den ansonsten nervösen, zappeligen Kleinen. Der Schaum ragte wie weiße, schneebedeckte Berge aus dem Wasser.

Die Badewanne war ein großer See mit steilen Klippen.
 Winnitoo, der kleine rote Indianer kletterte gerade eine Klippe hinauf. Er wollte Büffel jagen, die dort oben grasten. Doch plötzlich ein Knall. Unerträgliche Schmerzen jagten durch sein Bein. Blut lief aus einer klaffenden Wunde. Was war nur geschehen. Der böse namenlose Cowboy hatte Winnitoo aufgelauert. Schwer verletzt stürzte Winnitoo von der Klippe in den See. Verzweifelt kämpfte er um sein Leben. Das Blut vermischte sich mit dem Wasser. Doch sein Überlebenswille war stark. Er schwamm zu dem weißen, schneebedeckten Berg, schleppte sich darauf und versteckte sich vor dem namenlosen Cowboy. Es um Leben und tot. Doch Winnitoo war schlau. Er lockte den Cowboy in einen Hinterhalt und ... 

Plötzlich riss die Badezimmertüre auf und Thomas Mutter schlug wutschnaufend auf den kleinen Thomas ein. „Nein, was ist los?“ Schrie klein Thomas völlig verzweifelt. Gerade war er noch in seiner Traumwelt und jetzt diese Realität!

„Was habe ich denn jetzt wieder falsch gemacht?“ Fragte er sich. Doch hierauf gab es nie eine Antwort. 

Wie verlief denn das Leben von klein Thomas? Vielleicht liegt ja hier die Antwort. Kurz nachdem klein Thomas das Licht der Welt erblickte wurde ihm schon klar, dass ein Leben in freier Wildbahn echt bedrohlich ist. Warum bedrohlich? Was kann denn für ein Kind, dass in einer ganz normalen Familie mitten in Deutschland aufwächst schon bedrohlich sein? Klein Thomas fühlte sich nicht willkommen. Er fühlte sich nicht geliebt.

Das ist für solch einen kleinen Zwerg ganz einfach lebensbedrohlich. Denn wenn du „verstoßen“ wirst, musst du sterben.

Verstoßen? Keine Mutter würde ihr Kind wirklich verstoßen. Aber es geht ja nicht darum, was die Eltern wirklich machen, es geht auch nicht darum, was die Eltern empfinden, es geht darum, welches Gefühl sie in uns auslösen.
Wenn sie sich also so verhalten, dass wir einfach nur das Gefühl bekommen, ausgestoßen werden zu können, bekommen wir Angst. Aber was ist denn klein Thomas so alles geschehen, dass er eben dieses Gefühl bekam?
 Seine Eltern wollten natürlich nur das Beste. Sie wollten, dass er alle Wertmaßstäbe, die sie hatten, übernimmt. Denn das waren ja die einzig richtigen.

Aber wie schafft man es, seine Wertmaßstäbe weiter zu geben.

Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten. Die Eltern von klein Thomas bedienten sich der häufigst angewendeten Methode. Dressur. Immer, wenn er sich den Wertmaßstäben entsprechend verhielt, bekam er Zuneigung und wenn er diesen Maßstäben nicht entsprach, bekam er Ablehnung. Klar, Ablehnung will ja jeder vermeiden. Klein Thomas hatte ja keine Ahnung, was seine Eltern damit bezwecken, er wusste nur, dass er zum Überleben Zuneigung/Liebe, Sicherheit, Geborgenheit und Verbundenheit braucht. Wie aber bekommt man Liebe? Was muss man tun, um geliebt zu werden? Und wie geht man mit der Ablehnung um, die einem immer wieder entgegen gebracht wird?

Damit kam klein Thomas nämlich gar nicht zurecht. Er lernte also sehr schnell, dass er manchmal Zuneigung bekam und manchmal nicht. Ihm war zwar nicht klar, warum er nicht einfach immer geliebt wurde, denn er war ja nie bewusst böse. Aber so ist halt einfach das Leben.

 

 „Okay, es scheint also so zu sein: Wenn ich lieb bin, erhalte ich Zuneigung ansonsten Ablehnung.“

Wurde ihm klar. Also versuchte er sich doch einfach immer so zu verhalten, dass er möglichst viel Zuneigung erhielt. Das schien aber gar nicht so einfach zu sein! Denn es geschah trotzdem immer wieder, dass klein Thomas, obwohl er sich diesmal doch wirklich richtig verhielt, Ablehnung erntete. „Ach so, dann scheint es wohl zu sein, dass ich einfach nicht in Ordnung bin.“ Musste er sich gedacht haben. „Mit mir stimmt etwas nicht. Keine Ahnung was, aber irgendetwas muss es ja sein. Klar, ich bin einfach nicht liebenswert – schade eigentlich.“ 

Dabei meinten es die Eltern ja wirklich nur gut. Denn er sollte es doch nicht so schwer haben, wie sie. Deshalb sind einige Dinge im Leben ja so wichtig. 

Es ist wichtig, sich immer so zu verhalten, dass die Leute nicht schlecht von einem reden. 
Es ist wichtig, das man fleißig ist, dass man stark ist, dass man lieb ist, dass Jungs sich nicht wie Mädchen verhalten, dass man der Beste ist, dass man bescheiden ist, dass man sich wehrt, das man selbständig ist – Hilfe, mir wird schwindelig.

Diese Liste ist ja endlos und widerspricht sich ständig in sich selbst.

Woher sollte klein Thomas wissen, ob er sich gerade wie ein richtiger Junge verhalten soll, sich wehren soll oder lieb sein soll? Er verhielt sich also immer so, wie er es für richtig hielt.

Nur ob das dann die Eltern genau so sahen, stand in den Sternen. Und das machte sie so unberechenbar. Es war nie wirklich abzusehen, ob er jetzt Zuneigung oder Ablehnung ernten würde.
 Was klein Thomas allerdings noch mehr verunsicherte war, dass unabhängig von seinen Taten die Menschen anscheinend alle unberechenbar sind. Aber wie kam er zu dieser Überzeugung? Er saß in seinem Zimmer und spielte alleine vor sich hin.

Klein Thomas war schon immer ein Ingenieur – ein Lego Ingenieur. Hier konnte er seiner Kreativität freien Lauf lassen. Er konstruierte Häuser, Spezialmaschinen, Ventilatoren die kein Wind machten, verlegte ganze Eisenbahnnetze und versank in eine Welt voller Ideen, in der alles möglich war. An diesem Tag nahm er sich vor, eine Maschine zu erfinden, die vollautomatisch Frühstücksbrote schmieren kann.
„Gaaaannnz einfach!“ Dachte er.
„Als erstes braucht man einen Motor, eine Art Messer, Zahnräder sind immer gut, halt – das Fundament darf nicht fehlen. Fangen wir doch erst mal an und sehen dann, was fehlt. Also, der Motor muss irgendwie auf dem Fundament befestigt werden. Jetzt müssen die Zahnräder so angebracht werden, dass sie das Rad, das auf dem „Dach“ des Motors angebracht ist, zum drehen bringt. Dann müssen doch nur noch die Schmierwerkzeuge an dem Rad angebracht werden. Oh, und wie kommen die Brote unter die Klingen? Schwerer Konstruktionsfehler!“

Die Tür schoss auf, die Mutter stützte hinein, Panik in seinen Augen und .... . Für den Jungingenieur brach mal wieder die Welt zusammen.
 

Oder er kam von der Schule nach Hause, in Gedanken versunken, denn klein Thomas war ein Tagträumer. Auf dem Nachhauseweg malte er sich immer seine Traumwelt aus. Eine Welt mit Freunden, die ihn mögen, eine Welt ohne Streit, eine Welt, in der man machen kann, was man möchte, eine Welt, in der man einfach glücklich ist. Er vergaß dabei alles um sich herum. Wenn er dann zu Hause an kam, wusste er nie, wie er eigentlich dort hin kam. Gut gelaunt mit reinem Gewissen ging er zu Türe hinein und ... . 

Solche Situationen bestärkten natürlich seine Überzeugung, dass die Menschen unberechenbar sind und dass er ja selbstverständlich nicht liebenswert ist. 

Der Grundstein für einige Überzeugungen war nun gelegt. Eine Überzeugung, die in ihm wuchs war:

Du musst das Richtige tun, um geliebt zu werden und du darfst auf keinen Fall etwas falsch machen, ansonsten gibt’s eins drauf. Mit einer solchen Überzeugung richtete er seine Wahrnehmung erst ein Mal auf alle Fehler, die er vermeiden muss. Er wusste damals natürlich noch nichts von Realitätsgestaltung. Zu dieser Zeit ging man noch davon aus, dass die Welt so ist, wie sie ist. Es gibt Gott, Zufälle, Schicksal etc..

Die Welt erschien ihm dann natürlich auch so. Das Schlimme daran war allerdings, dass er mit seiner Wahrnehmung genau die Realität erlebte, die er vermeiden wollte. Denn er wollte ja vermeiden, Fehler zu machen. Also richtete er seine Aufmerksamkeit auf alle Fehler, die man evtl. machen könnte. Sein Fokus war voll auf Fehler ausgerichtet. Nun, heute wissen wir, dass man die Realität erlebt, worauf man seine Aufmerksamkeit richtet. Da klein Thomas seine Aufmerksamkeit auf Fehler gerichtet hatte, erlebte er natürlich genau das.
 
Er machte ständig etwas falsch.

An ihm war ständig etwas auszusetzen, denn an ihm war ja auch irgendwie alles falsch. Je mehr er seine Aufmerksamkeit darauf richtete, um so tiefer wurde er in diesen Sumpf hineingezogen.
 Eine weitere Überzeugung, die in ihm wuchs, war: Du musst dich schützen. Denn wenn die Menschen so unberechenbar sind, muss man sich doch schützen. Auch hier ist heute klar, was man mit einer solchen Überzeugung erlebt. Klein Thomas suchte natürlich ständig nach möglichen Angriffen.

Wenn man sich schützen muss, muss man natürlich die Angriffe rechtzeitig bemerken. Sein Unterbewusstsein war nun programmiert wie eine Suchmaschine: Suche alle möglichen Gefahren und Angriffe. Welche Realität er damit erlebte? Angriffe! Angriffe aus dem Nichts. Die Kinder aus der Nachbarschaft hatten nichts besseres zu tun, als klein Thomas zu verprügeln. Wenn er dann weinend nach Hause kam, schlug seine Überzeugung:

„Du darfst nichts falsch machen“ und „Du darfst dich nicht verhalten wie ein Mädchen“

im wahrsten Sinne noch obendrein zu. Er bekam gerade noch mal eine mit. Nun und liebenswert war er ja wohl wirklich nicht.

„Aber wenn ihr mich schon nicht liebt, warum lasst ihr mich dann nicht wenigstens in Ruhe?“

Schrie er innerlich.
 Jetzt war es so langsam an der Zeit, Möglichkeiten zu finden, um wenigstens etwas Zuneigung zu erhalten.

 „Wie komme ich denn jetzt am einfachsten an Liebe?“
Dachte er unbewusst.
 Anfangs war ja alles noch so einfach. Ein bisschen jammern, ein bisschen weinen und schon hatte er jemanden gefunden, der ihn in den Arm nahm.

„Ist zwar nicht wirklich Liebe, aber Mitleid ist ja wohl besser als nichts.“
War sein Gefühl. Das funktionierte allerdings nur eine kurze Zeit.

Er war durchschaut. Jetzt musste etwas handfesteres her.

„Krankheiten! Hey, funktioniert ja klasse. Am besten etwas, was man das ganze Jahr über auskosten kann. Allergie ist ne gute Methode“.
 

Er fing mit einem bisschen Heuschnupfen an. Die Augen tränten, die Nase lief, er wurde bedauert und die Welt war in Ordnung. Aber je mehr sich alle daran gewöhnten, um so mehr musste er aufweisen. Diese Krankheitstrickkiste ist allerdings groß und hat für jeden etwas im Angebot. So, klein Thomas hatte sein erstes Werkzeug, um sich „Zuneigung“ zu erstehlen. Ein weiteres Werkzeug war, etwas besonderes zu machen. Er spielte beispielsweise den Clown.

„So bekommt man wenigstens Aufmerksamkeit. Man muss nur etwas können, was sonst niemand kann. Ganz einfach.“

Dachte er sich.
 Mit diesen beiden Methoden konnte er sich jetzt also schon mal wenigstens Mitleid und Aufmerksamkeit erhaschen. Das half aber noch nicht, um auch mit der Ablehnung fertig zu werden. Diese unverhofft auftretenden Ablehnungen sind ja wirklich bedrohlich. Er stellte fest, dass ihn eine emotionale Bindung verletzlich machte.

„Also, ganz einfach“, dachte Thomas. „Lass deine Emotionen möglichst weit unten und dir kann nichts passieren. Als erstes vergesse die Liebe. Das ist ja wohl das gefährlichste Gefühl. Den Rest kriegst du schon in den Griff. Einfach alle Gefühle möglichst flach lassen – oder besser, gar nicht erst zulassen“.
 

Klein Thomas machte es wie der kleine Elefant seiner „Lieblingsgeschichte“. Dieser kleine Elefant konnte singen. Aber die anderen Elefanten fanden dies vollkommen unnormal. Ein Elefant, der singen kann. Niemand wollte etwas mit ihm zu tun haben. So stand der kleine Elefant alleine da und war traurig. Er war halt eben einsam.
So beschloss der kleine Elefant, dass er nie mehr singen wird. Jetzt war zwar nicht mehr alleine, aber doch immer noch irgendwie einsam. Denn er war ja nicht mehr er selbst.
 

Klein Thomas gab zwar nicht das Singen auf, aber seine Gefühle. Er konnte sich nicht mehr richtig freuen und er konnte nicht mehr weinen. Und er weinte wirklich die nächsten dreißig Jahre nie mehr. Jetzt hatte klein Thomas alles unter Kontrolle. Er war zwar nicht liebenswert und konnte selbst auch nicht mehr lieben, aber wenigstens konnte er so überleben. Okay, klein Thomas hielt sich also für nicht liebenswert. Doch wenn er sich selbst schon nicht für liebenswert hielt, wie sollten es denn dann die Anderen? Unmöglich.

Also erlebte er Ausgrenzung. Seine „Freunde“ versuchten sich immer erst mal mit den anderen „besseren“ Kindern zu verabreden. Nur wenn sie hierbei erfolglos waren, griffen sie auf klein Thomas zurück. Immer noch besser als alleine. Mit ihm wurden also die Lücken gestopft. Wenn sie sich dann aus der Not heraus mit ihm verabredet hatten, sich aber dann doch etwas besseres ergab, saß klein Thomas wieder alleine da. Diese Erfahrungen bestärkten natürlich immer wieder sein nicht vorhandenes Selbstwertgefühl. 

Als klein Thomas in die Schule kam, ging das mit der Ablehnung erst so richtig los. In der Klasse wurde eine Bande gegründet. Die haben dann immer verprügelt, wer nicht der Bande zugehörte. Nach ein paar Wochen waren ALLE wirklich ALLE in der Bande, außer ihm. Da wurde er nicht nur ausgegrenzt und abgelehnt, er war auch noch der einzige, der zu verprügeln übrig blieb. Ob das wohl etwas mit seiner Überzeugung:

„Du musst dich schützen“ zu tun hatte?
 

„Nur gut, dass ich mich niemandem geöffnet habe“, dachte er und fühlte, wie recht er hatte.

„Nur gut, dass ich niemanden „geliebt“ habe. Nur gut, dass ich körperliche Schmerzen nicht mehr spüre“.
 

Er hatte seine Emotionen soweit hinunter gefahren, dass ihn nicht einmal eine gebrochene Nase irritierte. Außer dem Blut auf dem Hemd, das musste er ja daheim erklären. Schulsport war auch immer interessant. (Fußball! Wenn ich das höre, bekomme ich heute noch Pickel!) 

Alle saßen auf der Bank. Diese komischen braunen Bänke in dieser komischen feuchtkalten, komisch riechenden Halle, in die ja freiwillig niemand hinein geht. Die beiden besten Spieler wurden heraus gewunken. Im Gänsemarsch trippelten sie auf einander zu. 

Der letzte, der den Fuß noch in die Lücke bekam, durfte anfangen seine Mannschaft zusammen zu stellen. Abwechselnd holten sich die beiden Supersportler jemanden von der Bank. Diese wurde immer leerer und leerer. Zum Schluss saß klein Thomas dann noch alleine auf der Bank.

Mittlerweile roch es noch komischer. Dann stellten sich diese beiden Supersportler doch tatsächlich vor die Klasse und knobelten, wer „den da“ nehmen MUSS. Stein, Blatt oder Schere. Drei mal. Wer zwei mal verlor, hatte „den da“ am Bein. Der Verlierer ging dann zu klein Thomas und fragte, ob er nicht sitzen bleiben möchte. Da er aber unbedingt mitspielen wollte, bekam er den Platz zugewiesen, wo er am wenigsten Schaden anrichten konnte. Sofort kam das Gefühl in ihm hoch:

„Zum Glück habe ich meine Emotionen und Gefühle voll im Griff!“

Oder auch nicht.

„Also scheint es doch richtig zu sein, was ich als Kind gelernt habe – Zuneigung erhältst du über Krankheiten, Ablehnung ignorierst du, in dem du keine Gefühle zulässt. Und übrigens bist du ja wohl wirklich nicht liebenswert“.
 

All die Überzeugungen, die klein Thomas mittlerweile vom Leben hatte, lenkten seine Aufmerksamkeit immer wieder in die selbe Richtung. Er wollte Unglück vermeiden. Er wollte Angriffe und Ablehnung vermeiden, denn davor hatte er Angst. Richtig Angst. Seine Aufmerksamkeit war immer auf das Unglück ausgerichtet. Er fragte sich immer wieder, was kann mir heute alles geschehen. Er suchte nach jeder möglichen Gefahr, um vor ihnen gewappnet zu sein. Denn wenn er die Gefahr rechtzeitig erkennen würde, könnte er sich ja davor schützen. Doch genau mit dieser Aufmerksamkeit gestaltete er natürlich seine Realität.

Denn wir erleben ja genau das, worauf sich unsere Wahrnehmung richtet. So erlebte er eine Kindheit, die von Ausgrenzung und Angriffen geprägt war.
 Morgens, bevor klein Thomas in die Schule ging, erledigte er erst einmal sein allmorgendliches Ritual. Er ging zur Toilette und übergab sich. Klar, denn schon direkt nach dem wach werden überlegte er sich, was ihm heute wieder alles geschehen könnte. Da viel ihm doch so einiges ein. Dabei wurde ihm schlecht vor Angst und zwar so schlecht, dass er sein Ritual jeden Morgen durchführen musste.

So zog er dann los. Verängstigt und verunsichert. Immer auf der lauer. Und genau mit dieser Wahrnehmung gestaltete er sich seine Realität, nämlich die Angriffe. Fatal, eine Überzeugung, die da heißt:

„Ich muss mich schützen“

lenkt meine Aufmerksamkeit genau auf die Situationen, in denen ich mich schützen MUSS! Angriffe!
 

So wuchs klein Thomas heran. Seine Überzeugungen wurden durch die Erfahrungen die er sammelte, immer mehr bestätigt. 

Irgendwann war ich nicht mehr klein Thomas. Ich war ein Teennager geworden. Und meine Realität? Durch meine bestärkten Überzeugungen erlebte ich mein Bild von der Welt und den Menschen als die wirkliche Wahrheit. Ich konnte ja noch nicht wissen, dass jeder nur seine Realität erlebt und zwar auf Grund seiner Wahrnehmung und dass es eine wirkliche Wahrheit so nicht gibt. So erlebte ich genau die selben Muster, die ich schon als kleiner Junge erlebte. Nur erkannte ich dies natürlich nicht. Alle meine Freunde hatten bereits eine Freundin.

Und ich? Ein nicht liebenswertes, nicht lieben könnendes Mauerblümchen, mit dem irgend etwas – Gott weiß was – nicht in Ordnung ist? So traten all meine Freunde immer als Pärchen auf. Damit war ich schon von vorne herein ausgegrenzt. Und ich bekam auch noch ständig vor die Nase gehalten, wie schön eine Beziehung ist. Schmusen, kuscheln, quatschen und weiß der Geier, was die noch so alles angestellt haben. Ich sehnte mich so sehr danach. Aber wirklich kränkend war, dass die Mädels immer zu mir kamen, wenn sie gerade Liebeskummer hatten.
Um sich trösten zu lassen war ich ja gut genug. Wenn ich sie dann wieder aufgebaut hatte, gingen sie natürlich wieder zu den gut aussehenden Jungs und ich stand wieder da. Ich war mal wieder der Lückenbüßer.
 

„Wie bekomme ich aber jetzt trotzdem eine Freundin?“ Fragte ich mich.

„Klar, wenn ich schon nichts besonderes bin, muss ich wenigstens etwas besonderes können.“

Diesen Trick hatte ich mir ja schon lange angeeignet. „Ich muss die Mädels beeindrucken“.

Mit all dem, was ich lernte, beeindruckte ich gerade mal mich selbst.
 Es ist wirklich schlimm, wenn du 18 bist und noch keine Freundin hast. Da wird dir auf einmal klar, dass du einsam bis ans Lebensende vegetierst. Als ich es aufgab und mir klar wurde, dass ich nie mehr eine abbekommen würde, trat eine Frau mein Leben, die mich wollte. „Mich?!“ Fragte ich mich ungläubig. Wir blieben dann gleich 18 glückliche Jahre zusammen. Gut, ich ließ zwar meine Liebe noch immer nicht zu, aber glücklich waren wir.

Ich wusste ja gar nicht, was Liebe ist.

Ich wusste ja nicht einmal, was richtige Gefühle sind. Aber das, was wir gemeinsam erlebten, war in dem Rahmen, der uns zur Verfügung stand, echt schön. Du kannst halt nur in den Farben malen, die dir zu Verfügung stehen. Irgendwann merkte sie dann aber doch, dass da etwas fehlte. Und sie verließ mich. Meine Welt brach zusammen. Ich dachte mir voller Wut und Hass:

„Wir hatten doch alles, was man sich nur wünschen kann.

Eine Tochter, ein Haus, ein Auto, einen Baum und genügend Kohle. Was denn noch? Es fehlt was? Was denn? Ich verstehe die Welt nicht mehr und dich schon gar nicht. Es fehlt was! Dir geht’s einfach zu gut!“
 Jetzt stand ich da, immer noch nicht liebenswert, immer noch nicht lieben können und jetzt auch noch alt und hässlich.

Zu dieser Zeit lernte ich einen Menschen kennen, der noch ein sehr bedeutender Teil meines Lebens wurde. Bodo.

Er half mir ohne es zu wissen, mit dieser Überzeugung umzugehen. Und zwar war mir klar, dass ich schon einiges aufzuweisen habe. Somit wäre es ja schon möglich, noch mal jemanden zu finden. „Aber ich sehe halt echt scheiße aus“. Kam in mir hoch.

„So jemanden kann man ja gar nicht wollen“.

Ich wusste aber, dass Bodo in dieser Hinsicht keinen Mangel hatte. Ich erkannte damals ja nicht, dass es nur daran lag, weil ich mich für nicht liebenswert hielt, Bodo sich aber schon. Somit machte ich es einfach an meinem Aussehen fest. Irgendeine Begründung muss man ja haben.

Doch wie konnte Bodo helfen, dieses Problem zu überwinden?

Eines Abends saßen wir uns beide gegenüber und sprachen mal wieder über die Frauen und mein Aussehen. Auf einmal sah ich Bodo an und sagte:

 „Bodo, dir laufen doch die hübschesten Mädels nach“ 

„Ja!“ sagte er mit fragendem Blick 

„Aber du bist doch eindeutig noch hässlicher als ich.“

 „Hääähh? Was ist los?“ Fragte er und sah mich dabei an, als hätte er 35 Jahre lang geglaubt er sei blind und jetzt festgestellt, dass er nur einen zu großen Hut auf hat. 

„Schon gut.“ Sagte ich voller Genugtuung. 

So wurde mir klar, dass es da etwas anderes geben musste. Mir war zwar noch lange nicht klar, was, das war aber auch gerade mal egal. Es kam, wie es kommen musste. Kurze Zeit darauf trat jemand in mein Leben, die mich liebte. Aber bei meinem Thema merkte ich das natürlich nicht. Ich nahm es nicht einmal wahr. Also verhielt ich mich ihr gegenüber genau so, wie ich es gelernt hatte. Keine Liebe wahrnehmen und erst recht nicht lieben!

Diese Frau erlebte dann, wie es ist, mit einem nicht liebenswerten Mann zusammen zu sein. Und ich war einfach glücklich. Na ja zumindest aus damaliger Sicht. Ich wusste es ja nicht besser.
 Doch dann kam die entscheidenste Wende meines Lebens. All das hier beschriebene wurde mir plötzlich klar. Mir wurde klar, was ich bis jetzt versäumt hatte und dass ich mich vielen lieben Menschen gegenüber elendig verhalten hatte. Ich fand mich dafür zum Kotzen. In diesem Moment entschied ich mich einfach um.

Ich versprach mir, ab jetzt Gefühle zuzulassen.

„Ich werde ab jetzt LIEBEN! Und wenn ich dabei drauf gehe“.
 

Dann trat natürlich jemand in mein Leben, bei der ich die Liebe in mir spürte. Ich ließ es zu und bekam Angst, nein Panik. Denn jetzt ließ ich ja genau das Gefühl zu, das ich auf keinen Fall haben darf, wenn ich überleben will. Ich machte mir dann einfach klar, dass das ja alles nur ein Muster aus der Kindheit ist und dass dies heute keine Gültigkeit mehr hat.

„Es kann mir ja nicht wirklich etwas geschehen. Okay dann los.“

Dachte ich entschlossen. Ich liebte diese Frau, wie noch niemals jemanden zuvor. Mir war natürlich noch nicht klar, dass ich mich selbst für nicht liebenswert hielt. Ich denke, ich muss nicht weiter ausführen, was ich da erlebte. Jemanden zu lieben, ohne dass es zurück kommt, ist auch nicht gerade der Hit. Nur hier lernte ich, was bedingungslose Liebe bedeutet. Ich liebte diese Frau, egal was sie anstellte. Das war ein befreiendes Gefühl.

Das, wovor ich am meisten Angst hatte, trat nicht ein. Sie konnte mich nicht verletzen. Denn um verletzt zu werden, müsste ICH meine Liebe ja durch Hass oder Wut ersetzen.
 Das wären dann aber doch die alten Muster. So wurde mir klar: 

„Wenn sich jemand anders verhält, als ich es für richtig halte, gebe ich ihr Ablehnung, ansonsten „Liebe“.

Das ist ja keine Liebe, das ist dressieren – Zuckerbrot und Peitsche. Nur in dem Moment, wenn ich eine Ablehnung hoch fahre, ist es ja mein Gefühl und Ablehnung ist halt eben ein unschönes. Und genau das kommt mir dann so vor, als würden meine Gefühle von außen bestimmt, als würden meine Partnerin, meine Mutter oder wer auch immer meine Gefühle „machen“. Das ist natürlich ein völliger Blödsinn, denn ich und nur ich mache meine Gefühle. Das heißt doch, dass ich mit diesem Schema:
Ablehnung und Zuneigung einfach nur mit meinen Gefühlen jongliere.

Nicht nur in der Beziehung, sondern überall. Immer wenn ich jemandem meine Wertvorstellung rüber bringen will, bediene ich mich dieses Musters. Habe ich ja so gelernt. Aber warum möchte ich denn, dass sich andere meinen Wertmaßstäben entsprechend verhalten? Damit ich Glücksgefühle erleben kann. WAS? Was mache ich denn da? Ich liebe gerade jemanden und fahre künstlich eine Ablehnung hoch, damit sie sich dann so verhält, dass ich lieben kann? Was ist denn das für ein Schwachsinn?“
 

„Jetzt machte ich das einfach anders“ entschied ich mich.

„Ich liebe sie einfach – fertig.

Meine Wertmaßstäbe bringe ich trotzdem rüber, aber immer in Liebe. Somit kann bei mir ja kein Hass entstehen und genau dass ist doch das Gefühl, vor dem ich immer Angst hatte. Hass und Wut“. Ich war frei! Niemand hatte mehr die Kontrolle über meine Gefühle! „Es sind meine Gefühle und die lasse ich einfach zu. Auch im „richtigen“ Leben. Wenn ich für jemanden eine gewisse Zuneigung verspüre, warum soll ich dieses schöne Gefühl dann wieder kaputt machen?“
 Nun kam es trotzdem, wie es kommen musste.
Die Trennung.

Aber auch hier wurde ich mir über die Macht der Liebe bewusst. Ich liebte diese Frau einfach weiter. Klar, es kam eine Trauer hinzu. Aber Trauer ist ja kein zerfressendes Gefühl. Es ist eine Form des Abschieds. Es überlagerte sich sogar eine Euphorie, denn ich erlebte ja gerade den Supergau und dafür ging es mir ja so richtig gut! Denn ich war nicht verletzt!
 Nichtsdestotrotz saß ich jetzt wieder da und dachte: 

„Ich kann zwar lieben, aber wer soll denn schon mich lieben?“ 

Bodo, Hilfe!

„Was ist denn eigentlich Liebe?“

Fragte ich. Denn mir war ja schon irgendwie klar, dass er sich mit diesem Thema auskennen musste.

 „Liebe ist kein Gefühl, sondern eine Daseinsform“.
...Hä“ fragte Bodo,

„verstehe ich gerade selbst nicht“.

Na ja, zum Glück hatte Bodo ja mich: „Logisch, ein Gefühl, wie zum Beispiel Lust oder Euphorie habe ich kurzzeitig. Dann ist es weg und wird durch ein anderes ersetzt. Bedingungslose Liebe ist konstant da. Ich liebe jemanden immer gleich, egal was er tut und wie er sich verhält“. Bodo fuhr fort: „Liebe ist ein erinnern. Ich erinnere mich daran, dass ich eins bin. Wir wissen zwar, dass wir mit allem eins sind, aber wir können es nicht fühlen. Es gibt Menschen, da fällt uns diese Erinnerung leichter und bei anderen ist es ein bisschen schwerer. Wenn wir zum Beispiel auf einen Seelenpartner treffen, ist diese Liebe gleich da. Bei anderen Menschen ist es eher ein Erinnerungsprozess.

Beides ist gleich „gut“.

Ich muss jetzt also nicht auf die Suche gehen, um meinen Seelenpartner zu finden, wenn dies zugegebenermaßen auch schön wäre. Ich muss einfach nur mein Gefühl zulassen“.
 Das erschien mir plötzlich ganz einfach. „Dann ist ja jeder liebenswert – sogar ich! Denn es kommt bei der wahren Liebe ja gar nicht auf das Aussehen oder irgendwelche Verhaltensmuster an. Mir war jetzt klar, dass ich lieben kann und dass ich liebenswert bin. Folglich war ich jetzt auch in der Lage genau das zu erleben. 

Einen Tag später traf ich auf mysteriöse Art und Weise auf Sabine. Mit ihr erlebte ich sofort, was ich mir seit ewig ins geheim wünschte – eine gegenseitige bedingungslose Liebe. Wahnsinn! Ich fühlte diese ständige Verbindung. Sie war immer bei mir. Zugegeben, es viel mir anfangs leichter, mich von „normalen“ Menschen als liebenswert zu fühlen. Das meine Traumfrau mich auch für liebenswert hielt, war mir dann doch nicht von Anfang an klar.

Jede andere ja, aber Sabine? Nun, mit dieser Überzeugung habe ich uns erst mal ein paar kleine „Startschwierigkeiten“ ans Bein gebunden. Aber lange konnte ich dieses Spiel nicht mehr durchziehen.
 Ja, jetzt war ich liebenswert und konnte lieben. Und ich erlebte natürlich das tollste, was ich mir vorstellen konnte – nein, vielmehr, als ich mir je vorstellen konnte. Alle Ängste waren weg. Ich hatte auf einmal nicht mehr das Gefühl, nichts mehr falsch machen zu dürfen. Ich verhielt mich einfach so, wie ich es für richtig hielt.

Wenn dies dann für Sabine so nicht in Ordnung war, sagte sie mir das einfach. Dabei fühlte ich mich aber genau so geliebt, wie immer.
Keine Ablehnung!
Sie liebte mich immer gleich, egal, ob ich mich aus ihrer Sicht richtig oder falsch verhielt. Sie brachte mir halt eben einfach ihre Wertmaßstäbe liebevoll rüber. So hatten wir dann natürlich die Chance unsere Wertmaßstäbe zu durchleuchten und gemeinsam die für uns „richtige“ Lösung zu finden. Wir lehnten uns einfach nie mehr ab und wir kränkten uns nicht. Wir liebten uns und lebten diese Liebe.
 Wie aber sah es denn mit den anderen Gefühlen aus?

Die hatte ich ja auch lange genug unterdrückt. Wenn ich hörte, dass Frauen vor dem Fernseher saßen und weinten, dachte ich immer:

„Warum schaltet die denn nicht einfach um? Da guckt man einfach einen Schwarzenegger und schon ist alles in Ordnung.“

Auch das hat sich natürlich geändert. Denn als ich entschied, Gefühle zu zulassen, gehörten diese Gefühle natürlich auch mit dazu. Es war für mich unglaublich, als ich das erste Mal einen Film sah und ein Tränchen floss. „Was ist denn jetzt los? Nur gut, dass mich niemand sieht.“ Dachte ich. Aber ich schaltete nicht um. Ich genoss es und kam mir total komisch vor. Meine erstes Tränchen seit über dreißig Jahren.

Wie das dann weiter ging, möchte ich gar nicht beschreiben. Ist ein bisschen peinlich – ich und weinen.
 Interessanterweise wurde mir auch klar, dass ich bis dahin immer ein Problem mit Schwulen hatte. Logisch, ich war einfach nur neidisch.
Die lebten so selbstverständlich ihre „Weiblichkeit“, was ich ja nie durfte.

Nun, auch dieses Thema hat sich natürlich erledigt, denn es besteht ja kein Grund mehr für Neid und Missgunst.
 Ich hatte nun also Zugang zu allen Gefühlen und konnte so das Leben endlich erleben. Es kam mir so vor, als wäre ich vorher nur als ein Zombie oder Roboter durch die Welt gewandelt. Ich erinnerte mich an eine Episode von Raumschiff Enterprise: 
Ein Mann verletzte sich seinen Arm. Er wurde behandelt. Dabei machte er eine schreckliche Entdeckung. Sein Arm funktionierte mechanisch. Er war ein Roboter. Ein so gut programmierter Roboter, dass er es nicht einmal selbst bemerkte, aber halt eben ein Roboter.

Er fiel in tiefe Depressionen.
 

Genau so kam ich mir vor, als ich entdeckte, wie ich meine Gefühle die ganzen Jahre untergraben hatte. Aber jetzt war ja alles anders und es macht keinen Sinn, sich wegen der vergangenen Zeit verrückt zu machen. Es ist doch bedeutend sinnvoller, sich darüber zu freuen, was einem ab jetzt noch möglich ist, was das Leben ab jetzt noch bieten kann. 

Aber, wie sah denn so mein „restliches“ Leben aus?

Denn neben der Gefühlswelt gibt es ja auch noch die Realität, die ich im Außen erlebe. Da standen doch noch einige andere Überzeugungen, die mein Leben als klein Thomas schon schwer genug machten. Waren die so einfach verschwunden?
Natürlich nicht!
 Da stand zum Beispiel noch die Überzeugung:

„Ich muss mich schützen.“

Hierzu gehen wir zeitlich wieder zurück.
 Als Kind wurde ich ja ständig verprügelt. Logischerweise musste ich lernen, mich zu verteidigen. Als erstes lernte ich Judo. Damit konnte ich anfangs ja wirklich etwas anfangen. Doch je besser ich wurde, desto besser wurden meine Gegner. Ich merkte schnell, dass Judo nicht die geeignete Selbstverteidigung ist. Ich wechselte zu Karate.

Viel besser. Endlich konnte ich mich wehren. Aber nur für kurze Zeit. Die Gegner, die ich anzog, waren wieder stärker und die Kämpfe wurden immer brutaler. Jetzt suchte ich also die ultimative Kampfkunst. Wing Tsun Kung Fu war die Antwort. Sehr schnell lernte ich Techniken, mit denen ich mich unbesiegbar fühlte.

Meine Bestätigung kam schnell.
 Ich ging an einem ganz normalen Sommerabend durch die Straßen von Wiesbaden. Drei Skinheads kamen auf mich zu. Zum ersten Mal schoss kein Adrenalin in einer solchen Situation durch meine Adern. Ich fühlte mich einfach sicher. Sie standen nebeneinander vor mir. Der mittlere kam einen Schritt auf mich zu und stand nun einen Meter von mir entfernt. Schlagdistanz! 

„Ich hab da mal ne Frage.“
Sagte er.
 „Ja bitte?“ Schaute ich ihn fragend an. 

Er beugte sich ein wenig vor. Plötzlich schoss seine rechte Faust direkt auf mein Gesicht zu. Doch noch ehe diese ihr Ziel erreichen konnte, lag dieser Bursche am Boden. Er war ja vorher schon recht hässlich. Aber jetzt wollte ich schon gar nicht mehr mit ihm tauschen. Die beiden Anderen standen wie angewurzelt da. Ich sah sie provozierend an und fragte:

„Habt ihr auch noch ne Frage?“

„Ne ne!“ Sagten sie verdutzt und zogen ihren Freund in „Sicherheit“.

 Seit diesem Tag wurde ich nie mehr körperlich angegriffen.
Ich fühlte mich ja sicher. Aber ich war noch immer davon überzeugt, dass man sich schützen muss. Also verlagerten sich die Angriffe, die ich erlebte, auf andere Gebiete. Und hier kam ich mir hilfloser vor, als je zuvor. Es war, als wäre ich in eine andere Liga aufgestiegen:

 Ich bekam einen neuen Chef. Was man erlebt, wenn es der Chef auf einen abgesehen hat, brauche ich ja eigentlich gar nicht näher zu beschreiben.  Doch meine besondere Situation war, dass ich Selbst Vorgesetzter war.

Ich war Abteilungsleiter und musste natürlich dafür sorgen, dass mein Bereich die richtige „Zahlen“ bringt. Dazu braucht man ganz einfach die Unterstützung der Mitarbeiter. Mein neuer Chef, dieses Ars......, hatte natürlich nichts besseres zu tun, als meine Mitarbeiter gegen mich auf zu hetzen. Das war ja sehr einfach. Er gab mir andere Informationen, als meinen Leuten und schon war ich unglaubwürdig. Ich wurde von allen Seiten angegriffen und gemobbt.

Zu diesem Zeitpunkt war mir ja noch nicht klar, dass ich okay bin. Ich hatte, wie man sieht, noch dieses Ausgrenzungsthema am Laufen.
 Wie gerne hätte ich hier mein Wing Tsun mal so richtig ausprobiert. Aber das geht natürlich nicht. Also lernte ich wieder „Techniken“, um auch mit diesen Angriffen umzugehen.

Als ich auch darin „Meister“ war, stieg ich einfach wieder in die nächste Liga auf.
 Zwischenzeitlich hatte ich mich mit Esoterik beschäftigt. Wenn ich vorher dachte, ich hätte Probleme, wurde mir jetzt erst klar, was richtige Probleme sind. Ich lernte, dass es Menschen gibt, die einem die Energie wegsaugen können. Sogenannte Energievampire. Nun, die erlebte ich auch. Wieder musste ich mich schützen. Wieder hatte ich keine Techniken. Alles fing von vorne an nur mal wieder viel schlimmer. So zog sich dieses Thema durch mein Leben, bis ich es letzt endlich mit einem Geist zu tun bekam, der Besitz von mir ergreifen wollte.

Aber zum Glück wusste ich zu diesem Zeitpunkt, dass meine Aufmerksamkeit meine Realität bestimmt und dass meine Aufmerksamkeit bis jetzt durch meine Überzeugung: „Ich muss mich schützen“ bestimmt war. So wurde mir klar, dass ich das nicht weiter spielen werde und entschied mich, meine Aufmerksamkeit auf ein glückliches Leben zu richten. Und dass meine Aufmerksamkeit bestimmt, welche Realität ich erlebe, ist ja mittlerweile nicht mehr Eso-Spinnerei, es ist seit mehr als hundert Jahren die Grundlage der modernen Wissenschaft. Es gibt zwar immer noch genügend „Skeptiker“, die noch an Zufälle, Schicksal, newtensche Gesetze und ich weiß nicht was glauben, für mich klingt das mittlerweile allerdings genau so, als würde jemand noch behaupten, die Welt sei eine Scheibe.

Aber wie war es mir möglich, meine Aufmerksamkeit so einfach auf ein glückliches Leben zu richten?
 

Zum einen wusste ich ja mittlerweile, wie Überzeugungen entstehen. So einfach, wie bis jetzt alle Überzeugungen in mir entstanden sind, konnte sich natürlich auch eine neue entwickeln.

Also suchte ich mir erst einmal die für mich ultimative Überzeugung aus und ließ diese dann in mir wachsen. Ohne eigenes Zutun! So, wie halt eben alle Überzeugungen wachsen.
 Ein schöner Nebeneffekt war, je mehr sich meine neue Überzeugung ausbreitete, umso mehr erledigten sich all die Überzeugungen, die einem glücklichen Leben bis dahin entgegen standen nacheinander wie von selbst und mein Leben wurde immer schöner und schöner.

 Während dieses Prozesses wurde mir klar, dass man abgesehen seiner Überzeugungen seine Wahrnehmung auch bewusst steuern kann. Hierzu sind uns einige Tricks eingefallen, mit deren Hilfe es leicht fällt, in Richtung Glück zu schauen. Als ich anfing, dies mit in mein Leben einzubeziehen, beschleunigte sich mein „Wachstumsprozess“ gewaltig. Und so ganz nebenbei erwähnt war es natürlich auch für meine „äußere“ Realität hilfreich, meine Gefühle wie die Liebe zu zulassen und zu erleben. Aber ich erlebe immer wieder, dass sich Menschen in der Realitätsgestaltung verstricken. Sie vergessen, was sie wirklich wollen.

Sie „gestalten“ sich dies und „kreieren“ sich jenes und vergessen dabei, dass sie doch eigentlich nur Glücksgefühle erleben wollen. So richtig anschaulich ist mir das bei einem Gespräch mit Sabine aufgefallen.
 Wir unterhielten uns über Geld. Denn Sabine hatte aus meiner Sicht gesehen eine komische Einstellung dazu. Irgendwie hat sie nie so richtig Geld, bekommt aber immer was sie möchte.

 „Was hast du denn eigentlich für ein Problem mit Geld?“ Wollte ich wissen, denn wer nicht viel Geld übrig hat, muss ja schließlich ein Problem damit haben.

 „Wie meinst du denn das? Was für ein Problem?“ Kam als Gegenfrage. 

„Welche Einstellung hast du denn eigentlich zum Geld?“ Jetzt hab ich sie – darauf muss sie antworten. 

„Keine.“ Antwortete sie gelassen. 

Na klasse, auch ne Antwort. „Und wie bekommst du dann das, was du haben möchtest?“ 

Bei dieser Frage ging mir ein Licht auf.
Sie hat die richtige Einstellung zu ihren Wünschen.
Ich wünsche mir Geld. Aber Geld ist ja zu nichts zu gebrauchen.
Es ist halt ein gutes Tauschmittel, aber sonst nichts.

Sabine wünscht sich halt eben einen Apfel, wenn sie Hunger hat und eben nicht Geld, um sich einen Apfel zu kaufen. Sie kennt halt einfach noch ihre Wünsche.
 

Wir neigen oft dazu, uns die „Vorstufen“ oder Hilfsmittel zu wünschen und unseren eigentlichen Wunsch dabei völlig zu vergessen.

Niemand braucht einen Bohrer – man braucht das Loch.

 „Aber wie sieht es denn mit unserem größten Wunsch aus?“ Dachte ich laut.

„Was wünschen sich denn die meisten Menschen?“

 „Sie wollen Schönes erleben.“ Sagte sie. 

„Hierzu wird dann Schöpfer gespielt und bis zum Umfallen kreiert“. Wurde mir klar.

„Da werden Parkplätze manifestiert, Partner gewünscht, Autos und Häuser kreiert, aber das Entscheidenste wird dabei einfach vergessen:
Ich will Glücksgefühle erleben!
Natürlich helfen mir dabei gewisse Situationen und andere machen es schwer, aber mein eigentliches Ziel sind Glücksgefühle.“

Nun, heute erlebe ich wirklich ein schönes Leben und kann es „sogar“ fühlen, da ich meine Gefühle ja mittlerweile zulassen kann. 

So, jetzt habe ich doch ein klitzekleines bisschen weiter ausgeholt, aber hoffe, dass du aus dieser Geschichte etwas für dich heraus holen kannst. 

Ich wünsche dir ein schönes Leben 

Thomas 

Quelle:ella.org      

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 14. Mai 2011 um 11:38 Uhr
   
 
 
 
 
 
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