Sternensaat - Ein Artikel von Jan
Geschrieben von: Yvonne   
Montag, 28. Mai 2012 um 16:34 Uhr


STERNENSAAT

Ein Artikel von Jan, Mai 2012

Schon lange Äonen vor der Neuen Zeit wussten die Alten vom Wandel der Welt in unseren Tagen.   Sie sahen es, nahmen ihr Schicksal an, das tief damit verflochten war und verneigten sich vor der Kraft des Schöpfers.  Es war jene Kraft, die auch in ihren Adern floss und die das Bindeglied zwischen den kosmischen Gesetzen und dem Traum der schlafenden Menschheit war.                                                           

Die Alten haderten nicht, klagten nicht, kannten weder Zweifel noch Unmut. Sie sahen und sie wussten. Sie waren alles, was vorher war, gleichsam wie alles, das noch kommen würde und sie waren stets zeitlos im Moment des Weltenlenkers. Aufrecht und erhaben standen sie im Lauf des Universums und ließen die Gestirne ringsum ihre Bahnen ziehen. Ein Sternbild nach dem anderen erblühte, verblasste wieder und ein neues erleuchtete das Firmament – Zyklus für Zyklus.

Mit sanftem Gleichmut sahen, erkannten und wussten sie – und sie nahmen es an und vergaßen es wieder, weil im nächsten Moment Neues zu sehen, zu erkennen und zu wissen war.  Kein Ereignis konnte ihre Gesichter erschüttern oder ihre Haltung beugen; kein Bild ihre Augen entsetzen und weder Regen noch Sturm noch Sonne, welche die Erde formten und Steine schliffen, je eine Furche in ihre Haut graben. Sie trotzten Wetter, Zeit und Wandel, die Gebirge zu Wüsten mahlten und Erdteile auseinander brachen und neu zusammenfügten. Schweigend standen die Alten, während ihre Augen alles Werden und Vergehen widerspiegelten und verloren nichts von ihrer Anmut und Jugend. Wie konnten sie auch von irdischen Ereignissen erschüttert sein, wenn sie selbst inmitten mit allem verbunden waren? Wie konnte auch ein Bild ihre Augen entsetzen, wenn der gesamte Kosmos in seiner Unendlich aus ihnen leuchtete? Wie konnten auch die Zyklen der Vergänglichkeit ihre Haut zerfurchen, wenn sie selbst ewig waren? 

Sie kannten keine Vergänglichkeit, sie waren wie der Lebensbaum selbst im Zentrum des Wandels, der seine Wurzeln tief in Mutter Gaia schlug und seine Krone würdevoll in die Sterne hob.

Sie existierten lange vor dem Schauspiel auf der irdischen Bühne und würden noch lange nach dem letzten Akt erhaben auf das harren, was später kommen sollte. So viel hatten die Alten gesehen, gefühlt und gelebt, dass sie nichts mehr ins Schwanken bringen konnte. Die Alten kannten alles –     denn sie selbst waren All- Es.

Doch niemals waren sie ohne Mitgefühl denen gegenüber, die gerade litten und jedes Leid war nicht weniger Leid als das eines andren – und in jedem einzelnen Moment des Erdentages gab es Myriaden von Wesen und Seelen, die litten ob ihres ganz persönlichen Schicksals. Denn sie schliefen.

Die Alten wussten vom Traum jedes dieser Wesen - sie waren die Hüter der Illusionen.

Am Ende der alten Zeit hatte Mutter Gaia die Menschenkinder geboren und ihre Seelen waren Sternensplitter, die die Alten selbst tief mit der irdischen Mutter verbunden hatten. Selbstlos nährte Mutter Gaia all ihre Kinder, so verschieden sie an Gestalt und Form geschaffen und so tief sie auch  im Traum ihrer Art versunken waren.                                                                                                                                 
Mutter Gaia  brachte die Leiber aller Wesen hervor, die ihr Licht auf die stoffliche Ebene warfen.

Mit der umfassenden Liebe einer All-Mutter trug sie jedes Wesen und duldete jegliches Geschehen – schweigend nährte, labte, formte sie, gab Heim und Obdach, Schutz und Geborgenheit. Unbeirrt hielt sie unter zahllosen Füßen aus, bis sie die Hüllen zurück nahm und neue schuf. Nur durch das Leben der Erdenmutter konnte dies Wunder vollbracht werden – würde Mutter Gaia sterben, stürbe selbst das letzte Sandkorn auf ihr.

Der Mensch war neu im Weltenplan. Sein Leben währte nur wenige Atemzüge, dann erhob sich sein Licht wieder jenseits der Nebel ehe er neue Hüllen fand. Wieder und wieder kam und ging er. Seit jeher war das Menschen-Dasein von einer tiefen, unstillbaren Sehnsucht getrieben – durch Lachen, Glück, Trauer und Leid hindurch zog den Menschen eine unbestimmte Macht durch die Zyklen seiner Leben, hielt ihn jene Kraft in ihrem Bann, bis er endlich erkannte, wer er wirklich war.               

Seine Existenz ist verankert in den Schleiern der Illusion und sein Kommen und Gehen gefesselt an den Traum aller Menschen. Bald kämpften die Menschenkinder gegeneinander, denn sie erkannten sich nicht mehr. Sie hatten ihre strahlenden Lichter vergessen. So harrten die Alten aus, bis die Menschen nach langen Äonen und sich abwechselnden Zyklen ihres Scheidens und Wiederkehrens endlich aus ihrem Schlummer erwachen sollten.    
                                                                                                                                                  

Unverändert standen die Alten im Zentrum von Werden und Vergehen, denn sie hielten die Ordnung aufrecht, die der Mensch entzweit hatte. Versank er selbst im Chaos, so hielten die Alten reglos stand und glichen aus, was der Mensch verursacht hatte. Brach in einem Land Krieg aus, so wurde es durch ein anderes, in dem Frieden geschlossen wurde, ausgewogen.                                                                                          

Die Alten sahen unendliches Leid und tiefste Trauer, Qual und Pein durch Menschenhand auf Mutter Gaia, die ihre Kinder schlafwandelnd auf ihren Wegen hinterließen. Blutige Spuren waren der Menschen Abdruck. Stets urteilten sie über sich und andre, geplagt vom Schmerz ihrer Seele.                         

 

Doch die Alten fällten kein Urteil. Sie sahen all dies und standen reglos und erhaben. Sie wussten, dass die Menschheit im tiefen Schlaf lag.

Längst hatten die Alten Mutter Gaia verlassen, denn der Mensch musste dem Schicksal nach seinem Willen folgen um auf diesem Wege zurück zu seinem Licht zu finden, doch niemals war auch nur eine Seele wahrlich getrennt von den Alten, den Hütern der Zeit, die ihr Bewusstsein in die Reiche des nicht-stofflichen Seins zurückgezogen hatten. Für sie machte es keinen Unterschied, sie waren und würden immer sein, im Zentrum von All-Es. Da sie alles sahen, waren sie überall. Nur ihre Körper weilten nicht mehr unter den Menschenkindern, für die sich fortan alles änderte. Denn sie selbst standen im Zentrum ihres eigenen Seins und kämpften hart und schonungslos für dessen Fortbestand. Ihr Bewusstsein wurde in die irdischen Hüllen gezogen und das innere Band zu den Alten vergessen. Nur noch ihr Atem vereinte sie mit dem kosmischen All-Es, in das sie Nacht für Nacht entflohen – getrieben von ihrer unstillbaren Sehnsucht nach dem Einen…


Damals änderte die irdische Mutter ihre Bahn, der Mond senkte sich herab und die Menschen fühlten sich alleine. Gebunden an den Lauf der Gestirne werden sie immer noch von ihnen geatmet und gelebt wie der Wechsel der Gezeiten und das Rad des Jahreslaufs. Ganz tief drinnen keimt die Ahnung nach jenem Unbekannten, und ihre unstillbare Sehnsucht treibt sie durch ihre Leben auf der Suche nach ihrer Herkunft, nach dem alles einenden Licht der Alten, ihrer Väter, die mit bedingungsloser Hingabe auf den Tag warten,

an dem die Mondsichel als horizontale Schale am Firmament erstrahlt und die Menschheit aus dem Schlaf befreit. Fortan wird Mutter Gaia eine neue Bahn antreten…

Oft erloschen die menschlichen Lichter des Tags beinahe, doch wenn die Leiber ruhten, entflammten sie erneut, lösten sich von den Hüllen und suchten einander in der Freiheit des Seelenflugs, um das alles nährende Licht zu finden. Und erhellter fanden sie zurück in die Dunkelheit ihrer Leiber, die die Seelen wieder mit den Schleiern des vereinten menschlichen Traums ummantelten.                                                 

 

Wenn sie in ihren Körpern auf Erden erwachten, verloren sie jegliche Erinnerung und fielen damit wieder in den langen Schlaf ihrer Tage, den Nebel ihres  Bewusstseins, den gemeinsamen Traum der Menschheit. Und ihre Einsamkeit ob der stummen Ahnung stieß sie tiefer in ihre Sehnsucht. Wie Irrlichter flackerten sie umher – gefangen im Leib und gefangen in sich selbst suchten sie im anderen unaufhörlich ihr eigenes Licht.

Die Alten wurden nie geboren. Man sagt, sie stiegen einst aus den Himmeln herab zu Mutter Gaia und wurden zu Wolken, als die Menschheit in ihren Schlaf fiel. Verflochten mit dem ewigen All-Es wirken sie durch den Kreislauf von Regen, Flüssen, Wassern und Meeren so lange auf Erden, um in ihrer Essenz bei den Menschen zu sein, bis die letzten aus ihrem Traum erwachen würden. Das Bewusstsein der Alten aber ragt hoch hinaus in die endlosen Weiten der kosmischen Existenz, wo sie geduldig harren und warten. Stetig und mit tröstlicher Obacht die Menschen in ihrem Schlummer behütend. Manche sagen, die Alten wären die Strahlen der Sonne und viele meinen, sie seien die Sterne selbst, die Nacht für Nacht ihr besänftigendes Licht am Himmelszelt über unsere Seelen breiten.                           

Man erzählt sich auch, dass sie mit Himmelsbarken das nächtliche Firmament überqueren und fernen Sternenvölkern vom Licht der Menschen künden, das bald aufgehen wird wie der güldene Schimmer der Morgensonne am Horizont.                                                                                                              

Von Zeit zu Zeit erscheinen sie im Leben jedes Menschen, der dann mit dem sanften Lächeln der Gewissheit die Augen zu Sonne und Sternen emporhebt und innehält in seinem unstillbaren Sehnen… Dann fühlt er sich geborgen in Baum, Blume, Vogel, Stein, Regen und Wind, ist eins mit der Erdenmutter, ist losgelöst im fallenden Blatt, fliegt frei mit den Schmetterlingen, ruht in der Stille der Steine, springt hervor mit den Hirschen, fühlt sich geborgen in Wald und Moos und entfaltet sich weit mit den Blüten der Bäume im Frühling. Und der Mensch macht Ahnung zu Gewissheit, sieht und erkennt. Dann keimt die Sternensaat und die Weisheit der Alten erhellt ein neues Bewusstsein…

Und das sahen und wussten die Alten lange, lange Äonen zuvor – denn ewig ist nur der Wandel… Viele, die noch schlafen, verdrängen diese Geschichte in das Reich der Mythen und Sagen.                        

Aber jene, die erwachen, harren geduldig und erhaben auf ihre Erfüllung – auf Mutter Gaia, die als leuchtender Stern eine neue Bahn im Kosmos antritt, erhellt von den strahlenden Seelenlichtern der erwachten Menschheit.

 

Jan Hagen Fink

e-mail: aju-Ra@gmx.net

 

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 30. Mai 2012 um 17:10 Uhr
   
 
 
 
 
 
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